Streichquartett Nr. 1 des damals 28-jährigen Benjamin Britten, entstanden 1941 während seines Amerika-Aufenthaltes in Kalifornien, ist ein höchst originelles, jugendfrisches Werk. Noch sind die charakteristischen Merkmale von Brittens Personalstil der Reifezeit erst in Ansätzen erkennen; eher merkt man, wie sehr die europäische Moderne eines Alban Berg, Strawinski oder Schönberg den jungen Britten beeindruckt hat. Aggressivität und überraschende Rhythmik bestimmen die schnellen Sätze; am meisten beeindruckt das reich strömende "Andante calmo".

Eben dieser Satz markierte wohl auch den Höhepunkt eines Abends mit dem Belcea Ouartet im Brahmssaal des Musikvereins. Da steigerte sich das trotz vielfältiger internationaler Erfolge immer noch junge, international zusammengesetzte Ensemble zu höchster Expressivität: die Primaria Corina Belcea-Fisher mit ihrem zwischen strahlendem Glanz und schlanker Süße ausgespannten Ton; die selbstbewusste zweite Geige der Laura Samuel; die sonore Bratsche von Krzysztof Chorzelski sowie Antoine Lederlins voll und voluminös tönendes Cello.

Begonnen hatte der Abend mit Joseph Haydns fis-Moll-Quartett op. 50/4. Dessen atmosphärischem Kontrastreichtum zwischen finsterem Ernst und inniger Wärme spürte das Ensemble mit nobler Eleganz nach. Und zuletzt Beethovens op. 59/2 in e-Moll. Hier konnte man eine bis ins Letzte ausgefeilte Detailarbeit in Dynamik und Farbgebung, höchste Perfektion des Zusammenspiels sowie eine gewissermaßen kontrolliert-rückhaltlose Musizierfreude feststellen: Eigenschaften, die den hohen Rang des Quartetts bestätigen und den Erfolg des Abends sicherstellten.
Gerhard Kramer, Wiener Zeitung, 29 April 2009

 

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